1. Preis (3.000 €): Matthias Block, „Aufforstung“
Ein Feld mit 99 dreieckigen braunen Kartonsäulen sieht aus wie eine Aufforstungsfläche. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Künstler Wahlplakate für die Pflanzenschutzsäulen verwendet hat.
„Die Vielschichtigkeit seiner Arbeit hat uns besonders begeistert. Aus der Distanz wird zunächst nur der Gedanke der Aufforstung sichtbar. Überzeugend durch die skulpturale Reihung / Struktur. Einige Stelen wirken so, als hätten sie oben einen farbigen Abschluß. Der Betrachter ist angelockt näher zu kommen, eine Neugier in der Auseinandersetzung mit der Arbeit. Erst da wird klar, daß es sich nur um Hüllen handelt. Zunächst wird die Farbigkeit des Inneren erkennbar und erst im Moment des Hineinschauens wird die Vielfalt tatsächlich sichtbar: Wahlplakate zeigen Gesellschaftliches, Politisches, die Bewahrung der Demokratie – Beschützen eines zarten Pflänzchens. Bewegung, die nicht sichtbar ist, die aber in den Köpfen umgesetzt wird.“
(Jurytext)
2. Preis (2.000 €): Marie-Andrée Pellerin „Blowrders“ (Video)
Das Video zeigt einen fiktiven Wetterbericht über die Wetterentwicklung in der marokkanischen Wüste. Die Meteorologin greift ein und verändert mit Reglern Windstärke, Windgeheul und Staubanteil.
„In enormer Verdichtung wird sichtbar gemacht, welche Veränderungen das Klima derzeit erlebt und wie der Mensch versucht einzugreifen und dennoch der eigentliche Verursacher ist. Der Klimawandel als Steuerungselement, das dem Menschen entgleitet.“
(Jurytext)
3. Preis (1.000 €): Philipp Appel, “Haus des Windes“
Ein Torbogen hält eine lange weiße Stoffbahn und ist dem Wind ausgesetzt. Man kann das „Haus des Windes“ begehen, wenn der Wind weht. Ohne Wind ist es zu.
„Bewegung und Stillstand in der sichtbaren Aktion des realen Windes, wie auch in den Gedanken eines Betrachters. Wenn der Wind sich dreht, wenn neue Perspektiven da sind, öffnen sich die Gedanken, öffnet sich das Haus in eine neue Richtung. Immer wenn Gedanken, der Wind da ist, ist ein Austausch vorhanden. Weht kein Wind, halten wir inne.“
(Jurytext)
Sonderpreis (1.000 €): kisa. Kirsten Sauer, „Aurora“
Drei fünfzig Meter lange, weiß glänzende Stoffbahnen sind in Dreiecken in die Landschaft gespannt und dem Wind und dem Licht ausgesetzt.
„In Form einer monumentalen Windplastik setzt die Arbeit in ständiger Veränderung von Licht, dessen Farbigkeit und Wind die Thematik der Ausstellung auf eindrucksvolle Weise um.“
(Jurytext)
Lobende Erwähnungen: Regina Carmona, „Small Fresh Bed“
Eine großes florales Ornament ist im Gras zu sehen. An den jeweiligen Blütenspitzen vier Heubetten mit duften Kräutern gefüllt.
„Der Gedanke „fresh“ wird in einem Naturraum kulturell riech- und spürbar gemacht: Erholungsort / Gedankenoase, die unmittelbar die Sinne erreicht, ohne vom Intellektualismus aufgehalten zu werden.“
(Jurytext)
Lobende Erwähnungen: Paul Pape, „Staubbilder“
Mit einer in eine Apparatur gespanntem Vlies fängt Paul Pape den Umgebungsstaub. Fertige Staubbilder zeigen den Staub anderer Landschaften.
„Die Ausstellungsumgebung „schafft“ ein individuelles Bild der Naturlandschaft. Pape bietet der Umgebungsluft eine Landefläche. Er ermöglicht die Entstehung eines individuellen, formal abstrakten „Abbildes“ der jeweiligen Naturlandschaft.“
(Jurytext)
Lobende Erwähnungen: Elke Wessel, „Hamaca“
Eine riesige schwarze Hängematte gehäkelt aus Videobändern und Magnetbändern aus einem Natoprojekt. In der Hängematte verschieden große Kugeln, ebenfalls umhäkelt.
„In einem Medium, das in vielen Kulturen verwendet wird – einer Hängematte, können vielschichtige Interpretationen gelesen werden. Streng Geheimgehaltenes führt Elke Wessel dem Licht zu und setzt es dem frischen Wind aus. Durch das nach außen bringen wird etwas Unheimliches zum Geheimnisvollen, das auf einer Hängematte platziert, vielschichtig interpretiert werden kann.“
(Jurytext)
Finissage und Preisverleihung: Das Haus des Windes ist geschlossen
In Windeseile ist die Zeit des Windkunstfestivals in Zierenberg vergangen. Tausende Besucherinnen und Besucher strömten zum Berg. Ohne Eile. Sondern mit Zeit und Muße um von Installation zu Installation zu schlendern und diesen einmaligen Dreiklang von Kunst, Wind und Landschaft in sich aufzunehmen. Von Zeit zu Zeit ein neuer Kunstgedanke, eine neue Landschaftsperspektive und heitere Menschen, die sich miteinander über das Erlebte austauschen. Oder einfach sitzen und Blicke genießen. Frische Blicke, farbige Eindrücke, neue Gedanken.
Zeit braucht man am Berg der Warte. Manche kommen täglich um viele Wetter- und Lichtaspekte mitzubekommen. Besuchende aus anderen Teilen Deutschlands schaffen den Kunstparcours an einem Tag. Man fragt nach dem nächsten Mal. Wo wird das sein? bewegter-wind geht nie an denselben Ort. Zierenberg war der 36. Ort im Windkunstland Nordhessen, an dem Windkunst, Videos, Performances ausgestellt wurden.
Der Wind um die Nase, Kunst und Landschaft vor Augen
