Preisverleihung beim 10. Internationalen Windkunstfestival "bewegter wind" in Hofgeismar und Liebenau 

Wandern auf den Spuren der Kunst

Fünfundvierzig Kunstobjekte, die im Zusammenspiel mit dem Wind neue Perspektiven auf die Landschaft erschaffen – und zugleich zum Weiterdenken rund ums Thema „Change?!“ – Wandel – anregen: Der 10. Internationale Windkunstwettbewerb „bewegter wind“ hat mehrere tausend Kunst- und Naturfreunde von Nah und Fern nach Hofgeismar und Liebenau gelockt. Am Sonntag, 29. August 2021, ist das beliebte Outdoor-Festival mit der Preisverleihung für fünf herausragende Kunstwerke zu Ende gegangen. Gezeigt wurden neben Windkunstinstallationen auch neun Videos sowie Performances. Zum Abschluss des erfolgreichen Kunstfestivals zog Kuratorin Reta Reinl ein positives Fazit: „Zwei Wochen lang haben fünfundvierzig Künstler*innen aus aller Welt ihre Werke auf dem Kramberg und im Diemeltal gezeigt und damit einen spannenden Dialog zum Klimawandel angestoßen. Wir freuen uns sehr über die tolle Resonanz – nicht nur von den Besucher*innen, sondern auch von teilnehmenden Künstler*innen und allen Unterstützer*innen. Dafür bedanken wir uns herzlich.“ 

  • Kunst, die bewegt!

    Preisverleihung mit den Künstlern (vlr.): Christine Kruse (Platz 2), Jürgen Heinz (Platz 1, geteilt), Constanze Schüttoff (Platz 3) Reta Reinl (Kuratorin bewegter wind), Harald Kühlborn (Landkreis Kassel), Harald Munser (Bürgermeister Liebenau), Torben Busee (Bürgermeister Hofgeismar).
    Bildquelle: Winfried Junker-Schönfelder
  • Zahlreiche BesucherInnen beim bewegten wind 2021, hier vor dem Werk „Resonanz“ von Franziska Möbius
    Bildquelle: kisa. Kirsten Sauer
  • 1. Preis (geteilt) für „Moving Square" von Jürgen Heinz.
    Bildquelle: kisa. Kirsten Sauer
  • 1. Preis (geteilt) für „Moving border" von Kuesti Fraun.
    Bildquelle: Videostill
  • 2. Preis für „2/ VAR 1/9" von Christine Kruse.
    Bildquelle: Gabriele Nippel
  • 3. Preis für „tabula rasa I in wandlungsfreiheit“ von Constanze Schüttoff.
    Bildquelle: kisa. Kirsten Sauer
  • Sonderpreis für „Floating Alive“ von Jiefu Zhou.
    Bildquelle: Reta Reinl
  • Lobende Erwähnung für „Prayer" von Dina Hillebrand.
    Bildquelle: Heidi Etzbach
  • Lobende Erwähnung für „Nine Names" von Markéta Váradiová.
    Bildquelle: Wilburg Kleff
  • Lobende Erwähnung für „For Us All" von Geraldo Zamproni.
    Bildquelle: Wilburg Kleff
  • Preisjury (vlnr) Reta Reinl, Julja Schneider, Ines Braun, Kerstin Fröhlich
    Bildquelle: Britta Hartmann-Barth

Kunst im Naturpark Reinhardswald und Diemeltal 

Auch der Bürgermeister von Hofgeismar, Torben Busse war begeistert, den Kramberg aus außergewöhnlichen Perspektiven entdecken zu können: „Unsere Bürger*innen und Gäste kennen und schätzen unsere herrliche Naturlandschaft sehr – und trotzdem hat die Inszenierung durch Kunstobjekte für völlig überraschende und interessante Erlebnisse gesorgt. Viele haben den Besuch mit einem ausgedehnten Spaziergang oder einem Picknick verbunden und einige sind mehrmals wiedergekommen. Wir freuen uns, dass der bewegte wind am Standort Hofgeismar erfolgreich war und werden die Erlebnisse noch lange in guter Erinnerung behalten!“

Harald Munser, Bürgermeister von Liebenau, zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden. Er sagte: „In Zeiten der Pandemie ermöglichte die Ausstellung Kunstgenuss an der frischen Luft – und das volle zwei Wochen lang rund um die Uhr. Unser Diemeltal war Publikumsmagnet und wurde von vielen Besuchern neu entdeckt. Dafür sagen wir herzlich Danke!“

Harald Kühlborn, Kulturbeauftragter des Landkreis Kassel, freut sich, dass der bewegte Wind jetzt schon so oft im Landkreis Kassel stattfand. Er betonte, dass der Landkreis Kassel das Windkunstfestival mit seiner einmaligen Kombination aus Kunst, Wind und Landschaft weiterhin unterstützen und fördern will.

Jury vergab vier Hauptpreise und einen Sonderpreis

Eigenwillige Blickwinkel, überraschende Ideen und künstlerisches Können: Bei der hohen Qualität der ausgestellten Werke fiel der dreiköpfigen Jury die Auswahl nicht leicht. In der Jurybegründung heißt es: „Alle teilnehmenden Künstler*innen zählen zu den Gewinnern und hätten einen Preis verdient. Bei der Auswahl haben wir uns deshalb auf eindeutige Parameter konzentriert, zum Beispiel darauf, wie das Werk mit dem Thema Change!? spielt und zugleich offen genug bleibt, um gewohnte Blickwinkel nachhaltig zu verändern. Denn Veränderungen finden im Kopf statt, aber nur, wenn auch das Herz angesprochen wird!“ Zur Jury gehörten die Kölner Künstlerinnen Ines Braun und Julja Schneider sowie die Kunstwissenschaftlerin Kerstin Fröhlich aus Hofgeismar. 

Preisjury:

Ines Braun, Künstlerin, Designerin
Julja Schneider, Künstlerin
Kerstin Fröhlich, Kunstwissenschaftlerin M.A.

Platz 1, geteilt: Jürgen Heinz – „Moving Square“ 

Die Arbeit des Kasseler Metallbildhauers Jürgen Heinz zeigt zwei deckungsgleiche Rahmen, die sich durch den kleinsten Windhauch gegeneinander verschieben. So zeigen sie einen Ausschnitt der Wirklichkeit – aber nur scheinbar. Es könnten auch zwei Bilder – und damit zwei Realitäten – sein. Man beginnt, seine eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Schnell gerät ein scheinbar festes Weltbild ins Wanken – es entsteht Raum für „Change!?“, Veränderungen. Mit dem ersten Platz erhält Jürgen Heinz ein Preisgeld von 2.000 Euro. 

Platz 1, geteilt: Kuesti Fraun – „Moving border“ 

Es ist der scheinbar belanglose, jedoch faszinierende Tanz eines losgerissenen Stück Absperrbands: Der Düsseldorfer Produzent und Filmemacher Kuesti Fraun erzählt in seinem Video auf bildhaft-skulpturale Weise von Grenzen und deren Auflösung. Zu sehen ist ein kleines Stück Absperrband – Sinnbild für eine Grenze –, das vom Wind vorangetrieben wird und so immer wieder sein Erscheinungsbild verändert. Es schlängelt sich, nimmt Form an, fällt in sich zusammen und wird mit Füßen getreten. Das Video vermittelt ein Gefühl der Machtlosigkeit, aber zugleich auch Faszination. Es ist ein Stück Plastikmüll, das einen politischen Bezug herstellt zum selbst verschuldeten (Klima)Wandel, über dessen Auswirkungen die Kontrolle verloren wurde. Der zweite Platz ist mit 2.000 Euro dotiert.

Platz 2: Christine Kruse – 2/ VAR 1/9

Zugleich irritierend und faszinierend ist das am Diemelufer ausgestellte Objekt von Christine Kruse, das auf den ersten Blick ein Schild darstellt. Doch bei jedem Schritt, den man davor macht, überlagern sich die darauf gedruckten Worte. So stellt die Hamburger Künstlerin die Veränderung mittels Sprache dar – und zwar genauso lebendig wie die Sprache selbst: Worte wie „cyberhaft“ oder „social error“ verhaken sich im Kopf und stellen Bezüge zwischen Altbekanntem und Neuem her, die in ihrer Kombinationsoffenheit zum Weiterdenken anregen. 

Platz 3: Constanze Schüttoff – „tabula rasa I in wandlungsfreiheit“

Wie bahne ich mir meinen Weg? Auf dem Kramberg hingen zwischen den Bäumen große, weiße Papierbahnen herab, die die Besucher*innen wie Vorhänge frei verschieben konnten, um sich spielerisch immer neue Wege und Möglichkeiten zu erschaffen. Ein Werk mit hohem Aufforderungscharakter, für das die freischaffende Künstlerin Constanze Schüttoff aus Radebeul den dritten Preis erhielt. Das Durchschreiten der Besucher*innen veränderte das Werk und weckte die Lust an freien, spontanen Entscheidungen. Zugleich regte es zum Überdenken der eigenen Entscheidungen an. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln machte Schüttoff erlebbar, dass auch kleine Veränderungen zu einem neuen Lebensweg führen können. Sowohl für den dritten Preis als auch für den Sonderpreis waren 1.000 Euro ausgelobt. 

Sonderpreis: Jiefu Zhou – Floating Alive

Am Diemelufer gaben die Skulpturen „Floating Alive“ von Jiefu Zhou aus China Rätsel auf: Längliche Wesen auf langen Beinen oder Boote auf Stelzen, die an die Fließrichtung der Diemel ausgerichtet waren. Etwas, das sich nicht in Schubladen stecken ließ und unsere Welt als fremd und „aus den Fugen geraten“ charakterisierte.

Lobende Erwähnung

Dina Hillebrand – „Prayer"
Markéta Váradiová – „Nine Names”
Geraldo Zamproni – „For Us All”

Wettbewerbsthema „Change!?“ hat einen Nerv getroffen 

Noch viele weitere Werke begeisterten das Publikum: Beispielsweise die drei wolkengleichen Stoffskulpturen von Geraldo Zamproni aus Brasilien, die schon beim Eintreffen auf dem Kramberg die Besucher*innen in ihren Bann zogen. Ebenfalls am Diemelufer war schon von Weitem die Arbeit „Prayer“ von Dina Hillebrand sichtbar, die auf den ersten Blick an tibetische Gebetsfahnen erinnerte und mit kritischen Texten zum Nach- und Weiterdenken einlud. „Insgesamt hat das Wettbewerbsthema „Change!?“, das auf den Klimawandel und Veränderung abzielt, gerade zum jetzigen Zeitpunkt einen Nerv beim Publikum getroffen. Wir konnten für die Besucher*innen Gelegenheit schaffen sich diesem Thema kreativ und spielerisch, aber auch kritisch zu nähern. So entstehen persönliche Eindrücke, die Nährboden für Veränderung sind“, resümierte Reta Reinl. 

Dank an Förderer und Unterstützende 

Zum Abschluss des Festivals richtete die Kuratorin ein großes Dankeschön an die Förderer. Sie sagte: „Ohne unsere Förderer wäre es nicht möglich, ein internationales Windkunstfestival über zwei Wochen hinweg kostenlos zu realisieren. Und auch bei allen Helfer*innen, die bei beim Aufbau und der Organisation tätig waren, bedanken wir uns herzlich!“ Zu den Förderern in diesem Jahr zählen: Der Landkreis Kassel, die Stadt Hofgeismar, die Stadt Liebenau, der Naturpark Reinhardswald, die Kasseler Sparkasse, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Volksbank Kassel-Göttingen, ART-regio Sparkassen-Versicherung, Bundesverband Windenergie (Hessen), EAM und AGiL. Besonderer Dank geht auch an die Landwirte Bernd Diederich und Ottmar Rudert, die ihre Grundstücke zur Verfügung stellten.

Windkunst zum Blättern

Übrigens: Unter www.bewegter-wind.de und unter Telefon 06454-1445 kann man den Katalog zur Ausstellung sowie einen Fotokalender für 2022/2023 vorbestellen. Der Erlös kommt dem Verein bewegter wind e. V. zugute. 

Ausstellungsorte 2021