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Auswahljury

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Vielschichtig. International. Überraschend.
Jury hat Künstler für Windkunstfestival „bewegter wind 2018“ ausgewählt

Zierenberg / Habichtswald. 183 Künstlerinnen und Künstler aus 27 Nationen haben ihre Bewerbungen für das Windkunstfestival „bewegter wind 2018“ eingereicht – nun hat die Jury die 88 herausragendsten Werke ausgewählt. Es sind Windkunstobjekte und -skulpturen, Installationen, Performances und Videos, die sich spielerisch oder kritisch mit dem Faszinosum „Clouds / Wolken“ auseinandersetzen, dem diesjährigen Leitthema. Ausgestellt werden die Arbeiten vom 19. August bis zum 2. September 2018 an besonderen Orten in der Gemeinde Habichtswald und in der Zierenberg im Naturpark Habichtswald. 

Kuratorin Reta Reinl ist begeistert von der Vielschichtigkeit der eingereichten Arbeiten: „Wolken sind faszinierende Skulpturen am Himmel – grenzenlos, ständig im Wandel, immer wieder neue Formen und Farbschichten erschaffend. Dieses Thema hat Künstler rund um den Globus inspiriert!“ Und sie fügt hinzu: „Die Bandbreite der Exponate reicht von rein sinnlichen Interpretationen bis hin zu Arbeiten mit umwelt- und gesellschaftskritischen Anklängen – uns erwartet eine äußerst spannende und abwechslungsreiche Ausstellung!“

Entstehen und vergehen – Wolkenkunstwerke auch zum Mitmachen

 

Eine Wolke macht Pause. Unterbricht den ewigen Tanz am Himmel und ruht sich aus. In seiner poetischen Installation „The Stop“ hat sich der französische Künstler Marc Limousin von der unermüdlichen Reise am Wolkenhimmel inspirieren lassen: Eine Wolke erlaubt sich einen Zwischenstopp und landet auf einer Wasseroberfläche – zart schwebend, surreal wie ein Wolkentraum.  

Einen ganz anderen Blickwinkel nimmt Sigrid Neuwinger ein: Ihr leuchtendes, im Wind flatterndes und rauschendes Objekt „Westwind“ wirkt auf den ersten Blick wie eine wetterzerzauste, ins rote Abendlicht getauchte Wolke – entpuppt sich bei genauem Hinsehen aber als Kleinwagen, der mit im Wind wehenden Plastiktüten bestückt ist. Der kritische Aspekt von Klimawandel und Umweltverschmutzung verbindet sich dabei mit der erhabenen Schönheit einer Wolke, die durch ihre stets veränderliche Natur unangreifbar und unnahbar wirkt.

Unaufhaltsam wie eine Wolke, die über den Himmel zieht, arbeitet sich der Künstler Ralf Witthaus mit seinem Team durch die Landschaft: In seiner Rasenmäherzeichnung „The cloud“ macht er die Dimensionen der federleichten Giganten am Himmel begreifbar.

Wie klingt eigentlich eine Wolke? In seiner Klangperformance „Lieder zwischen Himmel und Erde“ lädt der Schauspieler Dirk Lüdemann Besucherinnen und Besucher ein, mit Instrumenten und Gesängen Wolkenlieder entstehen zu lassen. Dies sind nur einige der vielen Wolkenkunstwerke, die zum Staunen, Nachdenken und Mitmachen anregen.

„Als leidenschaftliche Wolken-Guckerin bin ich von den Arbeiten begeistert, die sich mit der ständig wandelnden Schönheit der Wolken beschäftigen“, sagt Kuratorin Reta Reinl. „Gleichzeitig lenken viele Arbeiten den Blick auf aktuelle Themen: Etwa auf die Kommunikation in der Social Cloud, auf flüchtende Menschen, die Grenzen überwinden, um neue Lebensperspektiven zu suchen oder auf das Thema Klimawandel.“ Diese Mischung zwischen bildgewaltiger Kritik und stiller Schönheit macht den Reiz der deutschlandweit einmaligen Windkunst-Ausstellung unter freiem Himmel aus.

Dreiköpfige Jury – dreifache Kunstexpertise

Neben der Künstlerin und Kuratorin Reta Reinl aus Lichtenfels, die seit 14 Jahren das internationale Windkunstfestival maßgeblich mit organisiert, gehören noch zwei erfahrene Kunstexpertinnen zur Auswahl-Jury. Als Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin des Marburger Kunstvereins ist Dr. Carola Schneider mit der Beurteilung künstlerischer Arbeiten bestens vertraut. Weiteres Mitglied der Jury ist Doris Conrads, die über ein hohes Renommee als Künstlerin verfügt und am Institut für Bildende Kunst der Phillips-Universität in Marburg lehrt.

„Im nächsten Schritt entsteht das Ausstellungskonzept, bei dem jedes der 88 Kunstwerke einen passenden Ausstellungsplatz bekommt“, erklärt Reta Reinl. „Das ist ein äußerst interessanter Prozess, weil die Objekte je nach Umfeld und Positionierung ihre Bedeutungsaspekte weiter entfalten können.“ Einen großen Dank richtet die Kuratorin an die Partner und Unterstützer des diesjährigen Windkunstfestivals. Die Zusammenarbeit mit den Ortgebern und Partnern wie der Landkreis Kassel, den Naturpark Habichtswald, die Stadt Zierenberg sowie die Gemeinde Habichtswald ist sehr gut. Mit der Auswahl der Künstler und Exponate beginnt nun die Vorfreude auf unvergessliche Wolkenkunst-Erlebnisse!  

 Text: Liane Linke